Kultur · Im Haus und gegenüber

Kunst im Erdgeschoss

Wo Sep Ruf 1951 eine Ladenzeile unter die Wohnscheibe legte, sind heute fünf Galerien und Projekträume zu Hause – dazu Eis und Schallplatten. Gegenüber das Museum Brandhorst, ringsum das Kunstareal.

5Galerien & Projekträume
2Läden
1Straße bis zum Brandhorst
18Museen im Kunstareal
20+Galerien im Areal
1826Beginn Kunstareal
Was läuft gerade?

Ausstellungen & Termine

Aktuelle Ausstellungen der Galerien im Haus, im Museum Brandhorst und im ganzen Kunstareal – laufend gepflegt im Kalender von Maxvorstadt Vibes, abonnierbar für Google Kalender und als ICS.

Die Ladenzone

Schaufenster unter der Wohnscheibe.

Schon im Entwurf von 1950 gehörte das Erdgeschoss nicht dem Wohnen, sondern der Straße: eine Zone für Läden, zur Theresienstraße hin geöffnet.

Die Denkmalliste nennt sie ausdrücklich – die „erdgeschossige Ladenzone“ ist Teil dessen, was an dem Haus geschützt ist. Ruf wollte keine abweisende Sockelzone, sondern Schaufenster auf Augenhöhe, die den zurückgesetzten Baukörper mit dem Gehweg verbinden. Dass sich darin einmal fast ausschließlich Kunst zeigen würde, konnte 1951 niemand ahnen: Das Museum Brandhorst, die Pinakothek der Moderne und das Kunstareal als Begriff gab es noch nicht; die Alte Pinakothek war eine Kriegsruine.

Seit das Brandhorst 2009 auf der anderen Straßenseite eröffnet hat, sind die kleinen Ladeneinheiten an den Hausnummern 46 und 48 zu einer der dichtesten Galerienadressen Münchens geworden. Die Galerien profitieren vom Publikum der Museen, die Räume vom Maßstab, den Ruf ihnen gegeben hat: überschaubar und offen zur Straße.

Im Haus

Fünf Galerien & Projekträume.

Von der Klassischen Moderne bis zum Experiment, vom 200 Jahre alten Antiquariat bis zur Stiftung für Kunst und Naturwissenschaft. Öffnungszeiten ändern sich gelegentlich – vor dem Besuch lohnt ein Blick auf die Seite der Galerie.

01

Galerie Friese

Theresienstraße 46 · in München seit 2025

Die jüngste Adresse im Haus und zugleich die mit der längsten Vorgeschichte: Klaus Gerrit Friese gründete seine Galerie 2008 in Stuttgart als Nachfolgerin der 1961 gegründeten Stuttgarter manus presse. 2015 zog die Galerie nach Berlin, im September 2025 eröffnete sie ihre Münchner Dependance an der Theresienstraße.

Das Programm konzentriert sich auf Malerei und Zeichnung – von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Die Galerie betreut Nachlässe wie die von Willi Baumeister, Norbert Kricke, Dieter Krieg, Georg Karl Pfahler und Walter Stöhrer und vertritt zeitgenössische Positionen, darunter Karin Kneffel, Cornelius Völker, Franziska Holstein, Thomas Müller und Claire de Santa Coloma. Dass ausgerechnet hier, in einem Hauptwerk der deutschen Nachkriegsarchitektur, Baumeister und Kricke gezeigt werden, passt: Sie gehören derselben Generation des Aufbruchs an wie Sep Ruf.

Geöffnet
Di–Fr 11–18 · Sa 12–16
Web
galeriefriese.de
02

Galerie J.J. Heckenhauer

Theresienstraße 48 · Galerie & Antiquariat · Haus gegründet 1823

Hinter dem Namen steht eines der traditionsreichsten Antiquariate Deutschlands: J.J. Heckenhauer wurde 1823 in Tübingen gegründet. Von Oktober 1895 bis September 1898 absolvierte dort Hermann Hesse seine Buchhändlerlehre – eine Episode, die in seinem Frühwerk Spuren hinterlassen hat. Heute führt Roger Sonnewald das Haus in sechster Generation.

1997 kam zum Antiquariat eine Galerie hinzu. Sie war einige Jahre in Berlin ansässig, bevor sie ins Münchner Kunstareal zog; seit 2023 gehört sie offiziell zum Verbund des Kunstareals. Gezeigt wird zeitgenössische Kunst, darunter immer wieder junge Positionen aus dem Umfeld der Münchner Akademie der Bildenden Künste; auf Messen wie Paris Photo und Art Cologne ist die Galerie regelmäßig vertreten. Das Antiquariat mit Schwerpunkt auf Druckgrafik und seltenen Büchern macht die Adresse zu einem Ort, an dem sich Gegenwart und Sammlungsgeschichte begegnen.

Geöffnet
Mi–Fr 12–18 · Sa 12–15 · und nach Vereinbarung
Web
heckenhauer.net
03

Jo van de Loo

Theresienstraße 48 · gegründet 2011

Die Galerie wurde im Mai 2011 an der Theresienstraße 48 gegründet und ist seither an dieser Adresse geblieben – damit gehört sie zu den festen Größen im Haus. Jo van de Loo zeigt zeitgenössische Kunst, mit Einzel- und Gruppenausstellungen internationaler wie Münchner Künstlerinnen und Künstler.

Die Lage gegenüber dem Museum Brandhorst ist Programm: Wer aus dem Museum kommt, steht praktisch vor dem Schaufenster. Donnerstags ist die Galerie bis 20 Uhr geöffnet – ein guter Anlass, einen Museumsbesuch am Abend hier ausklingen zu lassen.

Geöffnet
Mi 12–18 · Do 12–20 · Fr 12–18 · Sa 12–15
Web
galerie-jovandeloo.com
04

KNUST x KUNZ +

Theresienstraße 48 · Projektraum seit 2010

Der zweite Standort der Galerie Knust Kunz, deren Stammhaus an der Ludwigstraße liegt. Sabine Knust begann 1982 mit dem Verlegen von Druckgrafik; aus der Edition wurde eine der bekannten Münchner Galerien für zeitgenössische Kunst, die heute Matthias Kunz führt und die auf internationalen Messen wie der Frieze vertreten ist.

Der Projektraum an der Theresienstraße ist bewusst anders angelegt als das Stammhaus: Er gehört vor allem der jüngsten Generation von Künstlerinnen, Künstlern und Kuratoren, die zu experimentellen Ausstellungen eingeladen werden. Daneben werden hier neue Editionen und Publikationen vorgestellt – eine Fortsetzung der verlegerischen Wurzeln der Galerie im kleinen Format.

Geöffnet
Fr 11–17 · Sa 11–15
Web
sabineknust.com
05

ERES Projects

Theresienstraße 48 · Stiftung · gemeinnützig · Eintritt frei

Der Projektraum der ERES-Stiftung, die 2004 gegründet wurde und sich dem Dialog von Kunst und Naturwissenschaft widmet. Während die Stiftung an ihrem Hauptsitz in der Römerstraße in Schwabing große thematische Ausstellungen zeigt und mit der Fondazione ERES in Venedig auch auf der Biennale präsent ist, versteht sich ERES Projects als Labor: für künstlerische Experimente, junge Kunst, Diskussionen und Performances.

Unabhängig und ausdrücklich nicht kommerziell, ist ERES Projects der Ort im Haus, an dem man am ehesten auf Unerwartetes trifft – und der sich selbst mit Blick auf seine Adresse beschreibt: ein Raum im denkmalgeschützten Sep-Ruf-Bau gegenüber dem Brandhorst. Der Eingang ist barrierefrei; Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten kostenlos buchbar.

Geöffnet
Fr 14–18 · und nach Vereinbarung · je nach Ausstellung
Web
eres-stiftung.de
Im Haus

Eis und Vinyl.

Zwei Läden, die mit Kunst nichts zu tun haben müssen – und doch zur Kultur des Hauses gehören.

A

Ballabeni Icecream

Theresienstraße 46 · Ecke Türkenstraße · Stammhaus seit 2006

Das Stammhaus einer Münchner Eismanufaktur, die inzwischen auch im Lehel und an der Seidlstraße zu finden ist. Die Familie Ballabeni arbeitet mit ausgesuchten Zutaten und dem Anspruch, nur zu verkaufen, was man selbst gern isst; an warmen Abenden wird der Vorbereich, den Ruf dem Haus gegeben hat, zum kleinen Platz.

Geöffnet
Mo–Do 11:30–21:30 · Fr–So 11:30–22:30 (Saison)
Web
ballabeni.de
B

Best Vinyl

Theresienstraße 46 · Schallplatten An- und Verkauf

Ein Plattenladen alter Schule: Christoph Best kauft und verkauft Schallplatten – zum Stöbern und für Sammler. Zwischen Galerien und Museen ist Best Vinyl die Adresse für eine andere Art des Sammelns – mit Kisten zum Durchblättern statt Wänden zum Anschauen.

Telefon
089 282339
Web
bestvinyl.de
Luftaufnahme über die Maxvorstadt Richtung Museum Brandhorst und Pinakothek der Moderne
Gegenüber · Museum Brandhorst und Pinakothek der Moderne vom Sep-Ruf-Haus aus · Drohnenaufnahme, Juli 2026
Gegenüber

Museum Brandhorst.

museum-brandhorst.de ↗

Auf der Südseite der Theresienstraße, an der Ecke zur Türkenstraße, steht seit 2009 das Museum Brandhorst – das direkte Gegenüber des Sep-Ruf-Hauses. Entworfen haben es die Berliner Architekten Sauerbruch Hutton. Seine Fassade besteht aus rund 36.000 senkrechten Keramikstäben in 23 Farbglasuren, die je nach Standpunkt und Licht changieren und die Farben der umliegenden Häuser aufnehmen sollen. Dahinter liegt eine lärmschluckende, gefaltete Blechhaut.

Das Museum zeigt die Sammlung Udo und Anette Brandhorst mit Kunst von den sechziger Jahren bis heute – mit einem der weltweit größten Bestände an Werken von Cy Twombly und Andy Warhol. Für Twomblys zwölfteiligen Zyklus Lepanto wurde eigens ein polygonaler Saal gebaut. Daneben sind unter anderem Sigmar Polke, Martin Kippenberger und Damien Hirst mit Werkgruppen vertreten.

Zwischen den beiden Häusern liegen fast sechs Jahrzehnte Architekturgeschichte – und nur die Breite der Theresienstraße. Rufs weiße, gläserne Wohnscheibe von 1951 und die farbige Stabfassade von 2009 sind zwei Antworten auf dieselbe Frage: wie ein moderner Bau in der alten Maxvorstadt stehen kann.

Ringsum

Das Kunstareal.

kunstareal.de ↗

Das Sep-Ruf-Haus liegt am nordöstlichen Rand des Kunstareals, eines der großen Museumsviertel Europas. Auf rund 500 mal 500 Metern zwischen Königsplatz und Museum Brandhorst liegen 18 Museen und Ausstellungshäuser, mehr als 20 Galerien und sechs Hochschulen – von der Glyptothek und den Staatlichen Antikensammlungen über die Alte Pinakothek und die Pinakothek der Moderne bis zum Lenbachhaus, dem NS-Dokumentationszentrum und dem Ägyptischen Museum.

Die Geschichte des Areals beginnt 1826: Am 7. April, Raffaels Geburtstag, legte König Ludwig I. den Grundstein der Alten Pinakothek. 2026 feiert das Kunstareal deshalb sein 200-jähriges Jubiläum. Mit dem Programm „Open Kunstareal“ soll der Raum zwischen den Häusern in den kommenden Jahren grüner und fußgängerfreundlicher werden.

Vom Haus aus sind die Pinakothek der Moderne in zwei, die Alte Pinakothek in fünf und der Königsplatz in rund zehn Minuten zu Fuß erreichbar.

Das Kunstareal auf Maxvorstadt Vibes ↗ · Alle Museen ↗

Schrägluftbild der Maxvorstadt mit dem Sep-Ruf-Haus im Zentrum und Verbindungslinien zu Pinakotheken, Königsplatz, LMU, Akademie, Odeonsplatz, Frauenkirche und Residenz
Lagebild · Das Haus im Kunstareal · Bildmaterial Google Earth, Beschriftung Maxvorstadt Vibes
Quellen

Zum Weiterlesen.

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